3 Jahre WERKRAUM – Rückblick und Ausblick

3 Jahre WERKRAUM – Rückblick und Ausblick

Aller guten Dinge sind drei – und in diesem Jahr ist der Werkraum drei Jahre alt geworden. Bianka, Gründerin der offenen Werkstatt, erzählt in ihrem Blog-Artikel über Träume und Zweifel, Anfangseuphorie und Renovierungstrubel. Der Werkraum hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder verändert und auch weiterhin ist kein Stillstand in Sicht. Denn dafür gibt es bei uns viel zu viel Kreativität und neue Ideen.

Im Oktober 2015 – also vor etwas mehr als drei Jahren – hat der Werkraum seine Türen für alle Augsburger geöffnet. Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings schon gut zwei Jahre vergangen, in denen die Idee, Konzept und alles was bis dahin erarbeitet werden musste, vorbereitet wurde.
Im heutigen Blogbeitrag will ich dich lieber Leser gerne mal auf eine kleine Zeitreise mitnehmen, zurück zum Anfang, da wo alles angefangen hat.

 

Die Idee in meinem Kopf

Zuerst einmal natürlich in meinem Kopf: Damals, es war 2013, habe ich noch in München gelebt und gearbeitet – 9 to 5 in einem Konzern – und liebte es, nach der Arbeit im hei-muenchen.de (Link einfügen) meine eigenen Projekte umzusetzen. Am meisten Zeit habe ich dabei in der Holzwerkstatt verbracht und Dinge für meine Wohnung und auch einen großen Küchentisch aus massiver Eiche gebaut.

Als ich mit meiner Familie nach Augsburg umzog, konnte ich dort keine offene Werkstatt finden und wollte ich mir nicht vorstellen, dass ich in einer neuen Stadt lebe, in der es so einen Ort nicht gibt. Also habe ich Pläne geschmiedet, selbst eine aufzubauen. Dazu habe ich eine Internetseite aufgesetzt, um Mitstreiter zu finden und habe mit sehr vielen Leuten gesprochen, um ihnen von meinen Plänen zu erzählen.

 

Von meinem Kopf in andere Köpfe

Mit der Zeit habe ich ein riesiges Netzwerk aufgebaut – Stadtverwaltung, Politik, Unternehmen, Hochschule und Uni – von jedem habe ich Input, Feedback und weitere Kontakte bekommen, womit ich dann weitermachen konnte. Zur Unternehmensgründung im November 2014 waren wir dann zu viert. Zwei meiner Mitgründer sind allerdings relativ schnell aus persönlichen Gründen wieder ausgeschieden.

Nach vielen Stunden der Planung mit dem gesamten Team – zu diesem Zeitpunkt waren wir zu acht – und weiteren 6 Monaten, bis ein Gebäude gefunden war, standen wir am 1. Juni 2015 in einer riesigen leeren Halle im Martini-Park. Wir kamen uns auf der einen Seite ziemlich verloren vor, auf der anderen Seite waren wir total euphorisch und konnten es kaum erwarten endlich richtig loszulegen.

Über eine Crowdfunding Earlybird Aktion und zwei Infotreffen vor Ort in „unserer“ leeren Halle hatten wir schon 110 Wegbereiter gefunden, die uns mit einem monatlichen Beitrag unterstützen. Das war besonders während der ersten vier Monate der Renovierung sehr wichtig, denn da hatte der Werkraum keine Einnahmen und musste trotzdem schon Miete bezahlen. Einige dieser Earlybirds sind dann auch Teammitglieder geworden – und sind es bis heute.

 

Vom Träumen und Verwirklichen

Wir haben hunderte Stunden zusammengesessen und alles Mögliche geplant – von der Raumaufteilung über Renovierung und Maschinenausstattung.

Oft haben wir auch geträumt. Manchmal haben wir diese Träume nur ganz leise ausgesprochen. Sie schienen absurd und wir haben darüber gelacht.
Aber im Nachhinein waren sie mehr als notwendig. Ohne Träume kommt man einfach nicht weit und ich denke da an einen Spruch von Norman Vincent Peale: „Shoot for the moon. Even if you miss, you’ll land among the stars.

 

Renovieren statt sinnieren

Am 1. Juni haben wir angefangen zu renovieren und die nächsten vier Monate verpassten wir der alten Halle ein neues Innenleben. In dieser Zeit waren bestimmt hundert verschiedene Leute da und haben mit angepackt: Teammitglieder, Earlybirds, ein Augsburger Unternehmen, das mit 50 Personen einen Social Day bei uns gemacht hat, und völlig fremde Leute, die über Facebook von den Renovierungsarbeiten gehört hatten und einfach mal ab und zu vorbeikamen, um mitzuhelfen.

Wir haben zusammen einen 520 Quadratmeter großen leeren Raum umgestaltet und in verschiedene Werkstattbereiche eingeteilt. Wir haben zusammen Wände gesetzt, Böden verlegt, Inneneinrichtung gebaut, Maschinen und Werkzeuge beschafft und alles Wichtige für die Eröffnung vorbereitet.

 

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne
Zusammen haben wir diese große leere Halle zum Leben erweckt und am 1. Oktober 2015 wurden die Türen für alle geöffnet.

Diese Zeit war super schön für mich, weil wir unglaublich viel geschafft haben. Emotional gesehen war sie aber auch sehr anstrengend, weil immer auch die Unsicherheit da war, ob wir das finanziell alles schaffen oder ob wir uns da zu viel zugetraut haben.
Seit der Eröffnung bis heute haben wir unermüdlich weiter renoviert und das Angebot erweitert.

 

Werkraum im Wandel

Auch im Team hat sich in der Zeit viel getan. Wir sind erst kontinuierlich auf etwa vierzig aktive Mitglieder gewachsen, um dann Anfang/Mitte 2018 an einen Punkt zu kommen, an dem wir zusammen und so wie wir bisher zusammengearbeitet hatten, nicht mehr weitermachen konnten. Die unternehmerische Ausrichtung – Professionalisierung und Fokus auf Kundenbedürfnisse – wollten einige nicht mehr mitgehen und haben deshalb das Team verlassen.

Im Nachhinein betrachtet, hat sich dieser Cut schon lange vorher abgezeichnet und war am Ende notwendig, damit es weitergehen konnte für den Werkraum.
Die Zusammenarbeit im Team funktioniert nun wieder. Die Organisation und Kommunikation ist so harmonisch und wertschätzend wie nie zuvor – und alle ziehen am gleichen Strang. Damit gehen natürlich auch die Arbeiten innerhalb des Werkraums und im Team viel schneller vorwärts.

 

Ein Ort für Kreativität und Handwerk

Nach fünf Jahren Arbeit am Konzept Werkraum und drei Jahren, in denen wir geöffnet sind, kann ich sagen: Wir haben es geschafft. Der Werkraum ist heute ein unglaublich toller und schöner Ort und steht nicht nur finanziell auf soliden Füßen, sondern ist in Augsburg “angekommen” und nicht mehr wegzudenken.
In neun verschiedenen Werkstätten – Schreinerei, Schlosserei, Zerspanung, Schmiede, Goldschmiede, Fablab, Keramikwerkstatt, Textilwerkstatt und Kinderwerkstatt – können sich unsere kleinen und großen Gäste/Kunden und ein 25 Mann und Frau starkes Team handwerklich und kreativ ausleben.

 

Der Innenausbau ist nach diesen letzten 3 Jahren so gut wie abgeschlossen und jetzt beginnt langsam eine neue Zeit. Wir können uns endlich noch mehr auf die Kundenbedürfnisse fokussieren, können Konzepte für Schulen und Unternehmen erarbeiten und umsetzen und auch mehr „nice to have“ Maschinen anschaffen.. irgendwann mal eine große CNC Fräse für Holz ;D das wär was.
Ich bin soooooooo stolz auf uns alle, dankbar für viele neue wundervolle Bekanntschaften und ich freue mich auf alles, was vor uns liegt.

Ja, was liegt denn vor uns? Was planen wir für die nächsten 3 Jahre Werkraum? Nun, diese Liste an Erweiterungen werden wir in den nächsten 3 Jahren angehen:
– Mehr Maschinen und Werkzeuge. Professionelle Werkstätten weiter vorantreiben
– Kundensegmente erweitern um Schulklassen und Unternehmen
– Repair Cafés wieder regelmäßig anbieten
– Mehr Sponsoren und Partner ins Boot holen
– Partnerschaften und Kooperationen mit anderen Makerspaces
– Erweiterung des Kursangebots
– Erweiterung der Öffnungszeiten
– Mehr Veranstaltungen und Meetups zum Thema DIY/ Bauen/ Unternehmensgründung und Prototypenbau
Wenn du bis hierher gelesen hast und dich ein oder mehrere unserer Zukunftspläne anspricht und du dich beteiligen möchtest – in welcher Form auch immer, finanziell als Sponsor, Mitmacher im Repair Café oder weil du mal einen interessanten Kurs oder Vortrag im Werkraum halten möchtest – melde dich gerne!

Bianka Groenewolt – Gründerin des Werkraum Augsburg

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