“Projekt Brennofen”

“Projekt Brennofen”

Unser bisher ambitioniertestes Logistikprojekt

Seit dem 18. März haben wir einen runde 300 kg schweren Keramik-Brennofen im Werkraum.. und dieses ambitionierte Transport-Projekt wollen wir euch nicht vorenthalten!

Bereits Ende des vergangenen Jahres bot uns die Familie Auracher ihren Keramik-Brennofen zur weiteren Nutzung im Werkraum an.

Uns wurde schnell bewusst, dass der Ofen schwer und sperrig sein würde. Also statteten wir Anfang Februar, mit Jürgens großem Anhänger und ein paar Spanngurten vermeintlich ausreichend ausgerüstet, dem Ofen den ersten – und wie wir dachten, auch letzten – Besuch in Familie Aurachers Keller ab. Mit vier Mann schafften wir es glatt, den Ofen ca einen Meter weit zu bewegen… und beschlossen schnell, die Aktion an der Stelle erst einmal abzubrechen und später mit einem besseren Plan (und mehr Ausrüstung) wiederzukommen.

In den darauffolgenden Wochen machten sich Jan und Felix dann detailliert einige Gedanken dazu, wie wir das Ungetüm aus dem Keller der Aurachers schaffen könnten, ohne uns oder dem Ofen dabei kapitalen Schaden zuzufügen. Eine nicht triviale Aufgabe, denn die einzige Treppe ist nur wenige cm breiter als der Ofen selbst und einen Sturz mussten wir zu 100% ausschließen können, um die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten.

Doch inzwischen können wir (mit etwas Stolz auf die dank guter Vorbereitung und viel Teamwork geglückte “Bergung”) verlautbaren:

Der WERKRAUM brennt demnächst noch heisser!

Wir erweitern unsere Fähigkeiten also schon wieder, dank der freundlichen Spende des Nabertherm Keramik-Brennofens mit Steuerung, der bisher von Familie Auracher rein privat genutzt wurde und daher, trotz seines stolzen Alters von knapp 37 Jahren, immer noch bestens in Schuss ist. Dieser wird uns nicht nur ermöglichen, Kurse im Keramikbereich anzubieten, sondern auch zu Hause gefertigte Töpferarbeiten könnt Ihr in Zukunft gegen eine kleine Gebühr im WERKRAUM brennen lassen.

Aber zurück zu der Herausforderung, die ja hier eigentlich Thema ist:

Vor dem Feiern der „schwerwiegenden“ Ankunft kam nun wie so oft erst mal die Mühe, denn wir mussten den ca. 300kg „starken“ Ofen ja zunächst aus dem Keller über eine steile Aussentreppe nach oben schaffen. Aufgrund der beengten Verhältnisse keine einfache Aufgabe, denn beiderseits blieben nur ca. 15 cm Platz – viel zu wenig, um das mit 4 Leuten und viel Kraft zu schaffen. Erstmal war also der Einsatz der großen Denkmuskel gefragt. Nach einigen Recherchen, Planung und dem Verwerfen diverser Möglichkeiten, fanden wir dann die Lösung bei der Firma Heavydrive mit ihrer Deutschland-Filiale in der Nähe von Donaueschingen, die sich mit Lösungen für schwerwiegende Transportaufgaben bestens auskennt. Dort bekamen wir nicht nur einen elektrischen Treppensteiger, der die Hauptlast sicher nach oben bringen könnte, sondern auch freundliche Unterstützung für den WERKRAUm selbst, in Form eines gehörigen Preisnachlasses, so dass die ganze Aktion unser Budget nicht allzu sehr belastet hat. Vielen Dank dafür an Heavydrive!

So machten wir uns schließlich am frühen Morgen des 18. März auf, um den Treppensteiger abzuholen. Ausserdem im Gepäck: eine Menge Balken, Spanngurte, Seile und diverse Kletter- und Rettungshardware, die ebenfalls noch eine tragende Rolle spielen sollten..

Nach der kompetenten Einweisung und einem kleinen Probelauf bei Heavydrive ging es aber zunächst mit dem Akku-betriebenen Treppensteiger – im wesentlichen eine Sackkarre mit elektrisch angetriebener Hebefunktion – auf dem Hänger nach Stadtbergen, wo der Ofen wartete.

Vor Ort wurde dieser dann von uns erst mal mit Gurten zum anheben versehen und mit 4 Mann von seinem Grundgestell auf unseren Hubwagen gehoben. Damit waren wir schon mal weiter, als beim ersten Versuch – nun konnten wir den Ofen im Keller vorsichtig manövrieren und weiter für den “Aufstieg” vorbereiten. Mit diversen vorbereiteten Balken wurde er solide geschützt und mit weiteren Spanngurten zur Sicherung versehen. Jetzt kam der Steiger zum Einsatz, auf den wir den Ofen mit Hilfe des Hubwagens relativ gut absetzen konnten. Mit weiteren Spanngurten wurde er nun sicher darauf befestigt, immer mit Bedacht, um die empfindlichen Anbauteile und die Schamottesteine der Türauskleidung nicht zu beschädigen.

Die bauliche Situation vor Ort ließ es zum Glück zu, den Ofen zusätzlich von oben zu sichern – was auch gut war, denn es zeigte sich, dass es ohne diese Sicherung wesentlich schwieriger oder sogar unmöglich gewesen wäre, den Ofen erfolgreich und vor allem sicher zu bergen. Für diese Hintersicherung hatten wir verschiedene, massive Balken vorbereitet, die, an der Wand abgestützt, einen zuverlässigen Anschlagpunkt für unser mitgebrachtes Statikseil bilden würden.

Doch das war noch längst nicht alles. Der Ofen konnte mit dem Statikseil zwar nicht mehr dahin zurück, wo er herkam. Jedoch lag der Schwerpunkt auf dem Steiger noch so weit vorne, dass es ohne weitere Unterstützung fast unmöglich wurde, die steile Treppe hinauf zu kommen – in der neutralen Lage lag der Ofen auf der “elektrischen Sackkarre” nämlich erst bei ca. 40° vom Fußboden! Diese funktioniert aber nur in einer eher aufgerichteten Lage, so etwa ab 70°…

Um diese Lage zu erreichen, montierten wir nun zusätzlich zum Sicherungsseil mit Kletterhardware und einem weiteren Statikseil einen 3:1 Flaschenzug, der uns half, den nötigen Zugvektor zu erreichen. Am Ende der Treppe brauchten wir dann wegen des ungünstigen Winkels noch einen zweiten Flaschenzug dazu und die vereinte Kraft des Steigers und von vier Männern, um die letzte Stufe zu schaffen. Die Bilder sprechen wohl auch für sich..

Der Rest war dann “vergleichsweise” einfach, wir konnten den Ofen mitsamt Steiger auf einer Palette leicht in den Hänger laden und im Werkraum auch wieder abladen. Alles in allem ging bei dieser Aktion, ein kleiner Zwischenbesuch nicht eingerechnet, fast der komplette Freitag drauf – zum Glück konnten wir aber trotzdem genug Helfer mobilisieren, die sich dann doch recht kurzfristig frei geschaufelt haben um diese nervenaufreibende, aber auch recht spaßige Aktion zu bewältigen.

An dieser Stelle also nochmal vielen Dank an das ganze Team: Ralf, Jürgen, André, Sven und Jan, sowie an Herrn Auracher, der uns am Ende sogar noch tatkräftig unterstützt hat, sowie Sebastian und Bianka, die beim Ausladen im Werkraum auch noch mit anpacken mussten. Wieder einmal Top-Teamwork und ein voller Erfolg.. und falls der erste Test nach dem Anschließen erfolgreich ist, könnt ihr euch schon bald auf den “neuen” alten WERKRAUM-Brennofen freuen. Der erreicht übrigens 1250 Grad.. für die, die sich auskennen. Aber dazu später mehr!

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