Review zum Open Space

Review zum Open Space

Gibt es in der Wirtschaft Platz für persönliche Selbstverwirklichung?

Open Space – Offener Raum: Eine Konferenz ohne Tagesordnungspunkte und ohne festen Ablaufplan. Den bestimmen vielmehr die Teilnehmer, denn sie können spontan Themen einreichen und zur Diskussion anregen. Bianka, eine der Gründer des Werkraums, hat vergangenes Wochenende an einem Open Space Event in Wiesbaden teilgenommen. Was sie dort erlebt hat? Ein Erfahrungsbericht.

Am 9. und 10. Juni fuhr ich sehr gespannt nach Wiesbaden, um an einem Open Space Event von intrinsify.me teilzunehmen. Open Space kannte ich bisher nicht, aber das Thema hat mich sofort begeistert: „Gibt es in der Wirtschaft Platz für persönliche Selbstverwirklichung?“ Es gab also noch mehr Leute, die sich darüber Gedanken machen. Großartig!

Intrinsify.me selbst versteht sich als Netzwerk für Menschen, die aus ihren bisherigen Erfahrungen mit der Arbeitswelt andere Lösungen für einen Umgang mit Kunden, Aufgaben, Mitarbeitern und Führung suchen und ausprobieren. Und dieses Wissen mit anderen teilen, um Impulse zu geben und Veränderungen anzustoßen. Meine eigenen Erfahrungen mit der konventionellen Arbeitswelt sagten mir, dass ich diese Menschen unbedingt kennenlernen muss.

Die persönliche Selbstverwirklichung war für mich auch einer der Hauptgründe dafür, den WERKRAUM mitzugründen. Erstens konnte ich selbst meine eigenen Fähigkeiten entfalten, wozu ich in meinem Job nie die Möglichkeit bekam. Außerdem können das alle anderen im Werkraum auch – sowohl alle Helfer, die sich in dieses Gemeinschaftsprojekt einbringen, als auch die Mitglieder und Gäste, die sich handwerklich ausleben können. Alle zusammen schaffen etwas Großes. Das ist echte Selbstverwirklichung. So weit so gut.

Wir waren hier in Wiesbaden zu Gast im Loft bei //Seibert/Media mit herrlichen großen Fenstern, schönem Ausblick über die Stadt und gemütlichen Loungehockern zum bequemen Sitzen. Der Tag begann mit einer kreativ chaotischen Vorstellungsrunde und dann ging’s auch schon los. Vorne stand ein großes Whiteboard: oben entlang die 7 verschiedenen Räume und am linken Rand die vier Anfangszeiten. In der Mitte ein großes Gitternetz. Jeder der Teilnehmer konnte ein Thema für eine Session vorschlagen oder den Sessions nur beiwohnen oder auch beides. Dazu sollten wir uns mit Zetteln und Stiften bewaffnen. Gesagt, getan. Mein Thema für den ersten Tag stand spontan fest: Finanzierungsmöglichkeiten für ein Social Business. Hier waren so viele Leute mit Ideen, das wollte ich unbedingt ausnutzen. Ich schrieb es auf und stellte mich in die Reihe derjenigen, die ebenfalls eigene Themen bearbeiten wollten.

Jeder kam der Reihe nach dran, stellte sich und sein Thema vor und klebte es dann an das Whiteboard in einen Slot. Nach und nach füllte sich die Wand. Im Kopf entstand bei mir schon ein Plan, bei welchen Sessions ich dabei sein wollte. Aber es wurden immer noch weitere Themen gepostet und dann kam irgendwann der Punkt, an dem ich nur noch auswählen konnte. Das ging wohl auch anderen so, denn am Ende der Vorstellungsrunde begann das große Feilschen: Können wir das Thema XY nicht zwei Stunden nach oben hängen? Und das Thema Z in Raum pink und dafür eine Stunde später? Bei 60 Leuten gibt’s natürlich nicht für jeden einen Traumplan. Aber das macht nichts.

An dieser Stelle stelle ich mal die Open Space Regeln vor:

  1.      Die Menschen, die da sind, sind genau die richtigen.
  2.      Was immer geschieht, ist das Einzige, was geschehen konnte.
  3.      Es beginnt, wenn die Zeit reif ist.
  4.      Vorbei ist vorbei und nicht vorbei ist nicht vorbei.

Und dann gibt es noch das Gesetz der zwei Füße: Jeder kann seine Gruppe jederzeit verlassen und „hummeln“ gehen. Hummeln bedeutet im Grunde nur, dass man jederzeit in alle Diskussionen ein- und aussteigen kann, wie eine Hummel eben, die von Blüte zu Blüte fliegt und mal hier nascht und da probiert.

Irgendwann stand der Plan dann fest und die Teilnehmer gingen in ihre Sessions. Die Auswahl der Themen war so vielfältig und interessant, dass es mir wirklich nicht leicht fiel. Aber wir hatten ja zwei Tage hier in Wiesbaden. Es gab also morgen nochmal die Möglichkeit selbst etwas vorzuschlagen und sich auszutauschen. Mein Thema für den zweiten Tag war ein Organisationsthema: Inwiefern kann sich eine Organisation selbst organisieren? Welche Voraussetzungen, Möglichkeiten und Grenzen gibt es? Das Thema hat mir ein paar der anwesenden und sehr inspirierenden Systemtheoretiker, z.B. auch Gerhard Woland http://dynamikrobust.com/ in die Gesprächsrunde gebracht. Eine tolle Diskussion und viel Selbstreflexion.

Hier noch mehr Beispiele von Diskussionsthemen:

– Spielerische Scrum Simulation

– Mehrwerte und Ideen positionieren /Fremdbild vs. Eigenbild

– Kleine Einführung in die Systemtheorie

– Sketche über Absurditäten in der Arbeitswelt

– Selbstverwirklichung – Integral/ Spiral Dynamics

– Selbstverwirklichung mit oder ohne Chef?

– Erlebnisorientiertes Lernen

– Selbst/ Ego / Bewusstsein und Kooperation

– Finanzierung eines Social Businesses

– Unternehmensgründung braucht keinen Mut

– Mikroresonanz – Emotionen erkennen

– Old School vs. New Work

– Agile Luft nach oben
– Mein totes Pferd?

– Expedition Sinn: Wie co-kreiere ich meinen Traum Job in einem Jahr

– (Selbst-) Organisation von Organisationen

– Der Drei-Schritte-Check, um guten von schlechtem Change zu unterscheiden

– Schön, dass wir darüber geredet haben – und jetzt?

 

Puuh – Ich fühle mich jetzt – fünf Tage danach – immer noch wie druckbetankt von den ganzen teilweise völlig neuen Informationen und Themen, die ich bekommen habe und mitnehme.

 

Ich fühle mich sehr, sehr bereichert und habe unglaublich tolle Menschen kennengelernt. Vielen Dank dafür liebes Team von intrinsify.me, //Seibert/Media und allen, die da waren! Ich werde auf jeden Fall beim nächsten Mal wieder dabei sein.

 

Und noch eine Idee ist geboren: Ich möchte gerne solche Open Space Events auch im Werkraum machen und interessierte Menschen aus Augsburg und Umgebung zusammenbringen. Wir können zusammen einen oder zwei Tage über verschiedene Themen diskutieren und unser Wissen weitergeben. Was meint ihr dazu? Welche Themen brennen euch auf der Seele? Wart ihr schon bei anderen Open Space Events und habt Lust bei der Organisation mitmachen? Schreibt mir gerne an kontakt@werkraum-augsburg.de


Viele Grüße, Eure Bianka

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